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| Die Entwicklung des Faltrads in den Niederlanden (Teil 2) | ||
Der Gedanke, ein Faltrad zur Mitnahme
im Auto zu entwickeln und auf den Markt zu bringen, war Ende der 1950er Jahre in den Niederlanden bereits vorhanden, wie
in Teil 1 dieses Artikels zu lesen ist. Keiner der Hersteller war allerdings zu diesem Zeitpunkt schon bereit, sich auf
diesem Gebiet entsprechend zu engagieren. Das war in Deutschland anders: Bereits 1953 hatte die Firma Meister (Bielefeld)
ein Zerlegerad unter dem vielsagenden Namen "Auto-Rad" auf den Markt gebracht, das parallel auch unter der Marke
Phänomen angeboten wurde. Die Konstruktion dieses Rades stammte von dem Hamburger Erfinder Wilhelm Paul Bayerbach, der
1951 einen entsprechenden Patentantrag gestellt hatte. Das Zerlegerad von Meister/Phänomen war mit seinen 28-Zoll-Rädern
jedoch auch im zerlegten Zustand noch zu groß für den Kofferraum der meisten Pkws. Kamp und das
"Auto-Cycle"
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Wie reagierten die niederländischen Fahrradhersteller auf die Einführung
des Auto-Cycle? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir noch einmal einen Blick zurück in das Jahr 1956 werfen. Am
5. September dieses Jahres berichtete die Tageszeitung 'Leeuwarder Courant' über einen Doktor Landeweer aus Havelte
(Provinz Drenthe), der ein nicht näher beschriebenes Faltrad erworben habe, das er für Hausbesuche bei in abgelegenen
Gebieten wohnenden Patienten in seinem Kofferraum mitführte. Nach diesem Bericht in einer Regionalzeitung wurde Landeweer
mit Fragen interessierter Kollegen regelrecht bombardiert, so die Leeuwarder Courant.
Eine solche ablehnend-konservative Haltung gegenüber Neuheiten im Fahrradbereich war damals in den Niederlanden weit verbreitet. Die niederländische Fahrradindustrie war Ende der 1950er Jahre intensiv mit der Eroberung eines Marktanteils für die eigene Sportradkollektion beschäftigt, mit dem Entwickeln immer wieder neuer Mopedmodelle und last but not least mit der dringend notwendigen Senkung der Fertigungskosten. Vielleicht waren das die Gründe, warum man die Falträder so lange links liegen ließ. Wenn überhaupt etwas in dieser Richtung unternommen wurde, so geschah es jedenfalls vorläufig noch hinter den Kulissen. Doch der Medienwirbel um das Panther "Auto-Cycle" von Kamp zwei Jahre nach dem Landeweer-Fahrrad brachte Simplex offenbar dazu, diese ablehnende Haltung zu korrigieren, denn am 15. April 1959 stellte Simplex als erster niederländischer Fahrradhersteller nach dem Zweiten Weltkrieg einen Patentantrag für ein Zerlegerad, dessen Grundform dem Panther "Auto-Cycle" sehr ähnelte. Die Zerlegekonstruktion des Rahmens war jedoch grundlegend anders. Der Rahmen des Simplex-Zerlegerads musste an zwei Stellen gelöst werden, um ihn teilen zu können: oberhalb des Tretlagers und bei der Sattelklemmschraube. Es blieb vorläufig bei diesem Patentantrag. Erst fünf Jahre später präsentierte Simplex auf der RAI-Zweiradmesse einen Prototyp dieses Zerlegerads. Union Strano
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Die Tweewieler-RAI 1964
Diese letzte Bemerkung von Oudejans galt natürlich dem Union "Strano", das auch auf der RAI ausgestellt wurde, wo darüber hinaus an einem gesonderten Stand unter dem Nenner "Kurioses" auch wirklich eine Kollektion Museumsfahrräder stand. Oudejans hatte also kein Vertrauen in die Absatzchancen der ungewöhnlicheren Falt- und Zerlegerad-Konstruktionen, womit er, so weit es das Strano anging, später recht behalten sollte: es wurde ein Flop. Einen positiven Aspekt sah Oudejans an dem "Strano": "Der einzige Vorteil ist, dass einer dieser praktischen 'Scherzartikel' mit 135 Gulden nur die Hälfte dessen kostet, was die anderen Modelle kosten. Denn billig sind diese Fahrräder keineswegs." Das stimmte: mit 250 – 300 Gulden bewegten sich die übrigen Falt- und Zerlegeräder aus niederländischer Produktion an der Obergrenze dessen, was gewöhnliche Fahrräder seinerzeit kosteten.
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Die RAI-Organisatoren hatten beschlossen, dem Publikum das neuartige Phänomen der Falt- und Zerlegeräder auf einem gesonderten Stand näherzubringen. Am Stand Nr. 58 waren alle 21 Modelle konzentriert (im Laufe der Messe wurde noch ein 22. nachgereicht), so dass sich die Besucher alles ansehen, vergleichen und vor allem ausprobieren konnten. Für letzteres war eigens eine Teststrecke eingerichtet worden. Außerdem hatte man an dem Stand einen DAF-Kleinwagen aufgestellt, damit das Ein- und Ausladen der Falträder in einen Kofferraum demonstriert und geübt werden konnte. Insgesamt zeigten auf der RAI sieben niederländische Hersteller acht Eigenkonstruktionen und ein importiertes Modell. Außerdem waren noch drei niederländische Importeure mit jeweils einem Modell zu sehen sowie zehn ausländische Modelle, die noch keinen niederländischen Importeur gefunden hatten. Insgesamt wurden also 22 Modelle präsentiert, davon acht niederländische, acht deutsche, drei französische und je ein englisches, italienisches und japanisches Modell. Dabei fällt die große Zahl deutscher Falträder auf – ein Zeichen dafür, dass Deutschland in diesem Bereich bereits 1964 viel weiter war, zumal, da sich ein Teil der gezeigten niederländischen Modelle noch im Prototypenstadium befand. Trotzdem sollte später keines der ausländischen Modelle in den Niederlanden einen nennenswerten Absatz finden. Die Tabelle zeigt eine Übersicht der Modelle am Stand Nr. 58.
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Im Folgenden sollen einige wichtige bzw. interessante Modelle, die auf der RAI-Messe ausgestellt wurden, kurz besprochen werden. Gazelle "Kwikstep"
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Gazelle Kwikstep (Gazelle-Faltblatt 1964)
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Batavus "Portable"
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Batavus Portable (F4, 4. Juni 1965)
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Fongers "Compact"
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Fongers Compact (F4, 4. Juni 1965)
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Burgers "Autobike"
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Burgers Autobike (Faltblatt)
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Simplex-Faltrad
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| Es würde zu weit führen, hier auch alle weiteren
niederländischen und ausländischen Modelle zu besprechen, die auf der 1964er RAI gezeigt wurden. Eines der ausländischen Modelle
soll aber wenigstens erwähnt werden: das Silk "Porta Cycle" von Katakura Industries in Tokio. Mit seinen kleinen
Laufrädern und dem kompakten geschweißten Rahmen mit Spannverschluss war dieses Faltrad den anderen Modellen um Jahrzehnte voraus;
es ähnelt bereits sehr den heutigen Typen. Das niederländische Publikum war jedoch noch nicht reif dafür.
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Reaktionen
der Presse Die RAI-Zweiradmesse und speziell auch die besondere Hervorhebung der Falträder auf dieser Ausstellung wurde im niederländischen Fachblatt 'Fietsenwereld', aber auch in ausländischen Fachzeitschriften ausgiebig besprochen. Der 'Radmarkt' berichtete in der März- und der April-Ausgabe ausführlich über diese Veranstaltung. Schon die Überschrift brachte den Eindruck der Redakteure gut auf den Punkt: "Zweiräder in einem Blumenmeer – Geburtsstunde des holländischen Klapprades". Die RAI-Organisatoren hatten "Frühling" als Dekorationsthema für die Aussteller vorgegeben, und dieses Thema wurde dann auch von vielen Ausstellern aufgegriffen, nicht nur mit üppigen Blumendekorationen, sondern beispielsweise auch mit künstlichen Bächen, Bäumen, Springbrunnen und einer Windmühle. Am Gazelle-Stand gab es gar eine riesigen Seerose, deren Blätter sich regelmäßig schlossen und wieder öffneten und in der Mitte den Blick auf ein schickes Damensportrad freigaben. Der Radmarkt schwärmte: "Wohl noch nie wurden Zweiräder auf einer Ausstellung in einem solchen Rahmen präsentiert!"
Das Faltradangebot beurteilte der Radmarkt wie folgt: "Was war nun das Besondere dieser Ausstellung? Unstreitig das erstaunliche Massenangebot neuer holländischer Klappräder, denen hier ein Sonderstand und eine Versuchsbahn eingeräumt worden war. Man registrierte eine erstaunliche Vielfalt von Rahmenverbindungen, von denen keine der anderen glich." Diese Kreativität der holländischen Konstrukteure war tatsächlich bemerkenswert. Doch gleichzeitig erkannte man das Problem, das dieser "Faltrad-Boom" mit sich brachte: "Nicht sicher ist es, ob alle Modelle in die Produktion gehen werden. ... So leicht wird keine Fabrik auf eine Produktionshöhe kommen, die erhebliche Renditen abwirft; dazu ist das Angebot bereits zu groß, zu viele stürzen sich auf das neue Produkt." /10/ Zusammenfassender
Rückblick
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| Quellen: /8/ Fietsenwereld v. 30.8.1963, S. 1088 /9/ Union-Pressemitteilung v. 13.6.1963 /10/ Radmarkt Nr. 3/1964 S. 47 /11/ Fietsenwereld, verschieden Ausgaben März/April 1964
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Last update: 16.01.2010